Funktionstest FDP

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Kalkül scheint aufgegangen zu sein für die FDP: Man nehme den in heftigster Kritik stehenden Parteivorsitzenden Philipp Rösler, lade wenige Tage vor der entscheidenden Wahl seinen nie um eine verbale Spitze verlegenen innerparteilichen Kritiker und Talkshow-König Wolfgang Kubicki ein, setze den unaufgeregten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Umweltminister Stefan Birkner, daneben (Foto). Das Ergebnis: Über 400 Menschen, mehrere, auch überregionale  Journalisten und Kamerateams haben gestern Abend im Northeimer Lux-Saalbau den Höhepunkt des hiesigen Wahlkampfes der ums politische Überleben kämpfenden Liberalen erlebt. Landtagsabgeordneter Christian Grascha konnte zufrieden sein: „Gute Stimmung, gute Reden“, sagte er heute.

Wer allerdings (oder gerade) wegen der beschriebenen Konstellation erwartet hatte, dass sich die Kontrahenten auf offener Bühne angehen würden, wurde enttäuscht. Dafür sind die Akteure dann doch wieder zu clever. „Wir sind entweder gemeinsam stark oder gar nicht“, sagte Wolfgang Kubicki, bewusst begrüßte er Rösler als „mein Parteivorsitzender“. Kubicki erwartet „6 Prozent und mehr“ am nächsten Sonntag bei der Landtagswahl. „Und das liegt nicht an meinem Wahlkampfauftritt.“ Ein wenig Show gab’s dann doch, auf Kosten des politischen Wettbewerbers. Liberale seien positiv gestimmte Menschen, sagte Kubicki. Peer Steinbrück jedoch habe ja schon so heruntergezogene Mundwinkel wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, obwohl er noch gar nicht im Amt sei… Und Renate Künast stehe ja ohnehin die pure Lebensfreude ins Gesicht geschrieben.

Auch Parteichef Philipp Rösler keilte los: Berlin bekomme eine einfache Infrastrukturmaßnahme wie den Flughafen nicht hin, das sei ihm als Wirtschaftsminister im Ausland schon manchmal peinlich. Und Bürgermeister Wowereit gehe lieber zur Fashion-Week als in den Untersuchungsausschuss, das sei „schäbig“. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bemerkenswert war das Sicherheitsaufgebot bei der Veranstaltung. Bei Vizekanzlern und Wirtschaftsministern mag eine Gefährdungslage manches erforderlich machen, beispielsweise auffällig unauffällig neben der Bühne stehende BKA-Beamte. Warum allerdings die private Security bei ausgewiesenen Pressevertretern nicht nur in die Kameratasche schauen wollte, sondern auch einen Funktionstest der Kamera verlangte, ist mir schleierhaft. Ich habe diesen nicht mitgemacht. Wie die Fotos beweisen, war meine Kamera funktionsfähig…

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Er will die zweite Stimme und sagt, sie wäre seine…

GraschaWahlplakatstartChristian Grascha nimmt den Spruch des Wahlplakates wörtlich: Jeder Tag zählt. Kein Wunder, sagen doch die Umfragen seit Monaten für die FDP nichts Gutes voraus. Und so startete der FDP-Landtagsabgeordnete aus Einbeck, kaum war der Gänsebraten verdaut, am Tag nach dem Weihnachtsfest in den Wahlkampf für den 20. Januar. „Zweitstimme ist Grascha-Stimme“ plakatiert der 34-Jährige seit gestern. Bei einem FDP-Ergebnis von 5 Prozent, rechnet Grascha vor, wäre nicht nur die FDP wieder im Landtag, auch für ihn selbst würde es dann reichen. Der Einbecker, der seit 2008 im Landtag sitzt (wenige Wochen nach den Landtagswahlen damals nachgerückt), ist auf Platz 6 der Landesliste notiert. „Es war nicht schlecht, dass ich im Landtag war“, bilanziert Christian Grascha und verweist unter anderem auf 104 Millionen Euro Entschuldungshilfe für Kommunen im Landkreis sowie eine Höchstförderung von einer Million Euro für den PS-Speicher in Einbeck. Er habe mithelfen können, dass das Geld fließt. Hilfreich zu sein in Hannover für die Region Einbeck – „so stelle ich mir das auch in Zukunft vor“, sagt der FDP-Politiker.

Damit das gelingen kann, drehen die Liberalen prominent auf: Zweimal ist Bundeswirtschaftsminister und FDP-Parteivorsitzender Philipp Rösler (auf dem Foto im Hintergrund) während des Wahlkampfes im Landkreis: am 8. Januar in Einbeck bei einem Unternehmer-Dialog, am 16. Januar in Northeim, gemeinsam dann mit Spitzenkandidat Stefan Birkner und dem FDP-Zugpferd und Talkshow-König Wolfgang Kubicki. Allein für diese Großveranstaltung im Lux-Saalbau in Northeim sind 10.000 Einladungen landesweit verschickt. Insgesamt acht solcher Großveranstaltungen mit prominenten FDP-Größen gibt es in Niedersachsen. Welche Promis nach Northeim kommen, konnte sich der Kreisverband ein wenig mit aussuchen (auch wenn natürlich die Terminkalender der Bundespolitiker wesentlich entscheiden). Für Kubicki habe es im Kreisverband „eine gewisse Präferenz“ gegeben, lächelt Grascha.


Top-Termin

FDP_birknerGraschaHeldenburgHeute hat der FDP-Landtagsabgeordnete Christian Grascha einen Top-Termin für den Wahlkampf im Januar angekündigt: Mehr aktuelle bekannte Liberale an einem Ort an einem Abend geht fast nicht, einzig Rainer Brüderle vielleicht noch, der kommt nicht.

Am 16. Januar werden in Northeim nicht nur FDP-Parteivorsitzender und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und der FDP-Landesvorsitzende und Umweltminister Stefan Birkner erwartet. Birkner war schon beim Sommerfest auf der Heldenburg der Einladung Graschas gefolgt (Foto).

Auch der FDP-Mann Wolfgang Kubicki, ein Talkshow-erfahrener Freund der deutlichen Aussprache und nicht unbedingt als bekennender Rösler-Fan aktenkundig geworden, ist zum Höhepunkt des Wahlkampfes der FDP im Landkreis angekündigt. Ob’s ein Abschiedskonzert für die Liberalen in Niedersachsen wird, wie manche ironisch anmerken, bleibt da abzuwarten.

Verspricht in jedem Fall, ein munterer Abend zu werden.