Bewegung, im Winter, auf der Straße

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Parteien geben alles auf den winterlich weißen Straßen und Plätzen, verteilen Kochlöffel aus Holz, Würstchen, Marzipan und Bonbons. Daneben die Infopapiere. Als heute Umweltminister und FDP-Spitzenmann Stefan Birkner in Einbeck in den Straßenwahlkampf eingriff, kam es zu einer besonderen Begegnung. Viele Passanten waren in der Marktstraße nicht gerade unterwegs, das ihn filmende NDR-Team suchte schon händeringend nach Wählerkontakt mit dem FDP-Politiker.

Auf dem Marktplatz hingegen trafen (ohne TV-Kameras) Stefan Birkner und FDP-Landtagskandidat Christian Grascha auf den Parlamentskollegen von der CDU, Joachim Stünkel. Der packte mit seinen Parteifreunden die Tische vor dem Rathaus gerade ins Wahlkampfmobil.

Birkner rief im Pressegespräch der Liberalen im warmen Brodhaus-Fass seine Parteifreunde (und ein bisschen auch die nicht dabei sitzende CDU) dazu auf, bis zur letzten Minute zu mobilisieren. Der Politiker sieht ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb, die Frage, ob seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, stellt sich ihm schon gar nicht mehr. Für Birkner geht es darum, ob es gemeinsam mit der Union reicht, die Regierung fortzusetzen. „Da ist Bewegung drin, das wird sich auf den letzten Metern entscheiden.“

Und auf diesen letzten Metern bis zur Wahlurne geben die Parteien noch einmal alles. Nächsten Sonnabend dürfte die Fußgängerzone mitten in Einbeck einer großen Standfläche für die verschiedenen Parteien und Gruppierungen gleichen.

Advertisements

Funktionstest FDP

OLYMPUS DIGITAL CAMERADas Kalkül scheint aufgegangen zu sein für die FDP: Man nehme den in heftigster Kritik stehenden Parteivorsitzenden Philipp Rösler, lade wenige Tage vor der entscheidenden Wahl seinen nie um eine verbale Spitze verlegenen innerparteilichen Kritiker und Talkshow-König Wolfgang Kubicki ein, setze den unaufgeregten Spitzenkandidaten für die Landtagswahl, Umweltminister Stefan Birkner, daneben (Foto). Das Ergebnis: Über 400 Menschen, mehrere, auch überregionale  Journalisten und Kamerateams haben gestern Abend im Northeimer Lux-Saalbau den Höhepunkt des hiesigen Wahlkampfes der ums politische Überleben kämpfenden Liberalen erlebt. Landtagsabgeordneter Christian Grascha konnte zufrieden sein: „Gute Stimmung, gute Reden“, sagte er heute.

Wer allerdings (oder gerade) wegen der beschriebenen Konstellation erwartet hatte, dass sich die Kontrahenten auf offener Bühne angehen würden, wurde enttäuscht. Dafür sind die Akteure dann doch wieder zu clever. „Wir sind entweder gemeinsam stark oder gar nicht“, sagte Wolfgang Kubicki, bewusst begrüßte er Rösler als „mein Parteivorsitzender“. Kubicki erwartet „6 Prozent und mehr“ am nächsten Sonntag bei der Landtagswahl. „Und das liegt nicht an meinem Wahlkampfauftritt.“ Ein wenig Show gab’s dann doch, auf Kosten des politischen Wettbewerbers. Liberale seien positiv gestimmte Menschen, sagte Kubicki. Peer Steinbrück jedoch habe ja schon so heruntergezogene Mundwinkel wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, obwohl er noch gar nicht im Amt sei… Und Renate Künast stehe ja ohnehin die pure Lebensfreude ins Gesicht geschrieben.

Auch Parteichef Philipp Rösler keilte los: Berlin bekomme eine einfache Infrastrukturmaßnahme wie den Flughafen nicht hin, das sei ihm als Wirtschaftsminister im Ausland schon manchmal peinlich. Und Bürgermeister Wowereit gehe lieber zur Fashion-Week als in den Untersuchungsausschuss, das sei „schäbig“. OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Bemerkenswert war das Sicherheitsaufgebot bei der Veranstaltung. Bei Vizekanzlern und Wirtschaftsministern mag eine Gefährdungslage manches erforderlich machen, beispielsweise auffällig unauffällig neben der Bühne stehende BKA-Beamte. Warum allerdings die private Security bei ausgewiesenen Pressevertretern nicht nur in die Kameratasche schauen wollte, sondern auch einen Funktionstest der Kamera verlangte, ist mir schleierhaft. Ich habe diesen nicht mitgemacht. Wie die Fotos beweisen, war meine Kamera funktionsfähig…