Verbal entgleist – ohne Entschuldigung

ScreenAusschnitt031212_ToffelIch habe längere Zeit gewartet. Und gezögert. Immer noch gehofft, da würde derjenige vielleicht doch noch seine verbale Entgleisung erkennen und sich für sie entschuldigen. Doch da kam nichts. Mehrere Tage lang. Stattdessen wenige Tage nach dem anstößigen Kommentar erhielt ich von ihm eine mich irritierende Facebook-Einladung zu einer Wahlveranstaltung der Jungen Liberalen. Und das von einem Kandidaten der Grünen!

Ich hatte auf meiner öffentlichen Facebook-Seite „Einbeck aktuell“ über die Pläne für ein neues Haus der Jugend geschrieben. Gunther Toffel, fleißiger Facebooker und Kommentierer und „Gefällt mir“-Klicker, griff in die Tasten. Der Mann ist Kandidat der Grünen im Wahlbereich Kreiensen, möchte gerne in den nächsten Einbecker Stadtrat gewählt werden. Auch für den Ortsrat Kreiensen kandidiert der 56-jährige Architekt. Er sei für mehrere dezentrale Anlaufpunkte für die Jugendlichen, schreibt Gunther Toffel bei Facebook. Das entspreche auch der Grünen-Politik, fügt er noch hinzu (siehe Screenshot). Soweit, so okay. Doch dann eine verbale Entgleisung: „Und keine Massenzentralsammelstelle, also kein KZ, menno, klaro???!!!“

Wenige Minuten schon nach dem Toffel-Kommentar habe ich ihn darauf hingewiesen, dass seine Formulierung absolut inakzeptabel sei. Doch statt einer Einsicht kam Schweigen. Ein Zentrum für Jugendliche als „Massenzentralsammelstelle“ zu empfinden, ist allein schon schwer erträglich. Das ganze dann auch noch mit einem KZ, einem Konzentrationslager, in eine Verbindung zu setzen, ist und bleibt inakzeptabel. Für jeden. Für einen Kandidaten einer demokratischen Partei, der für genau diese Jugendlichen in Einbeck und Kreiensen künftig Politik machen möchte, ganz besonders.

 

Update 18.12.2012, 21.45 Uhr: Mittlerweile hat sich Gunther Toffel in einem Facebook-Kommentar entschuldigt. Er nehme den KZ-Vergleich zurück, es sei „eine sehr unglückliche, unpassende Formulierung“ gewesen, die „politisch fehlinterpretiert werden kann und von ma[n]chen auch will“, schreibt Toffel. Seine Äußerung tauge nicht als Bewerbungsrede eines potenziellen Stadtratskandidaten, räumt er ein. Seinen Facebook-Kommentar hat er so eingeleitet: „ok, herr bertram, liebe facebook leser, es tut mir leid, ich krieche zu kreuze, nichtzuletzt, weil auch weihnachten vor der tür steht, hoffentlich haben sie sich nicht zu viel aufgeregt…“

Zuvor hatte sich bereits am Abend Lukas J.G. Seidel im Namen des Grünen-Kreisverbandes Northeim-Einbeck per E-Mail von den Äußerungen Toffels distanziert. Auch der Ortsverband Einbeck hat sich (siehe Kommentare) von Gunther Toffels Einlassungen distanziert, seine Äußerungen und seine Wortwahl ständen im absoluten Gegensatz zur Grünen-Politik.

 

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Die SPD ist die Erste

„Wir sind eine Programm-Partei“, hatte Bürgermeister Ulrich Minkner beim Wahlkampfstart der SPD gesagt, nicht ausschließlich um Personen gehe es bei den Sozialdemokraten. Und als solche hat die Einbecker SPD jetzt auch als erste Partei in Einbeck ihr komplettes Wahlprogramm veröffentlicht, für jeden nachlesbar auf der Website. Das verdient Respekt, geht die SPD doch gleichzeitig damit auch ein gewisses Risiko ein: Einige Dinge können sich schließlich innerhalb weniger Tage verändern (beispielsweise Thema Krankenhaus). Ein Wahlprogramm zu veröffentlichen sollte jedoch andererseits eine Selbstverständlichkeit sein.

Bislang hatten nur die Grünen ihre Wahlprogramm-Schwerpunkte veröffentlicht. Allerdings hatten sie dies in einer Pressemitteilung kommentierend getan und nicht das komplette Programm im Wortlaut öffentlich gemacht.

Inhaltlich bietet das SPD-Wahlprogramm keine Überraschungen. „Wir haben das Programm nicht komplett neu geschrieben“, hatte Fraktionschefin Margrit Cludius-Brandt beim Wahlkampfauftakt erklärt. Das werden auch die anderen politischen Gruppierungen rund ein Jahr nach der jüngsten Kommunalwahl nicht tun.

Sprachlich hätten die Sozialdemokraten vielleicht noch ein wenig feilen sollen an der einen oder anderen Stelle. Vor allem, dass jetzt auch die SPD den Begriff „Schwedenblock“ für das Ende der 60-er Jahre gebaute Wohnhaus Lange Brücke 9-11 verwendet (wenn auch in Anführungszeichen), mutet schon ein wenig befremdlich an.

Update 18.12.2012, 17:22 Uhr: Die SPD hat auf ihrer Seite jetzt auch alle Kandidaten mit ausführlichen Angaben zur Person veröffentlicht. Vorbildlich!